Susanne Holschbach: Das Tor zu den Sternen haben wir geöffnet
Essay (Camera Austria International 163/2023)
She Takes a Hand Herself in History – mit diesem Titel hat Luise Schröder eine Arbeit überschrieben, die sie 2015 während eines deutsch-israelischen Künstlerinnenaustauschs in Israel entwickelt hat: ein Titel, der auch für ihre Position als Künstlerin insgesamt stehen könnte. Die Geschichte in die eigene Hand zu nehmen, so eine starke Übersetzung der Metapher, steht dabei nicht nur für den Ausspruch auf Agency, auf Handlungsfähigkeit und Gestaltungsmöglichkeit, sondern bedeutet bei Luise Schröder auch ganz konkret, etwas in die Hand nehmen, um es zu begreifen. So taucht die Hand als Motiv immer wieder in ihren Arbeiten auf: In dem Video Arbeit am Mythos (2011) sehen wir die Hände der Künstlerin, wie sie Bücher und Bilder auf einem Tisch arrangieren und immer wieder umordnen, in La Barricade – Existing as a Promise (2022) werden Bücher in einer Menschenkette von Hand zu Hand gereicht; in Der gerissene Horizont (2020) bewegen sich Hände in einem Windkanal; ein Bild des Tableaus Strömungen in Bewegung* (2021–2022) zeigt ein zwischen zwei Händen aufgespanntes Fadengeflecht, bereit, von einem anderen Paar Hände aufgegriffen zu werden.